Die große Welt des Ultraschalls

Aus Box 14 ertönte eine mir nur allzu vertraute Stimme.
” Und hier haben wir die Leber… und das da ist die Milz… und hier die Nieren… Wie Ihr sicher sehen könnt, sieht alles ganz normal aus. Nun, von dem diskreten Flüssigkeitssaum unter der Leberkapsel mal abgesehen, aber das ist Euch ja sicher auch schon aufgefallen…” Die Stimme kicherte laut und ein paar andere Stimmen fielen nervös in das Gekicher ein.
Ich konnte nicht anders, ich musste einfach in das Zimmer hineinsehen. In dem Bett lag Herr Kramer, ein junger Mann, dessen Motorrad leider Bekanntschaft mit einem Baum gemacht hatte und der gerade frisch aus dem OP gekommen war.
“Willi?”, rief ich neugierig in die Box. “Was machst du da?” Willi zuckte unwillkürlich zusammen, als ich so unvermittelt hinter ihm auftauchte. “Eh…eh… er deutete mit einem Nicken in Richtung dreier junger Damen, die neben ihm am Patientenbett standen und etwas verunsichert auf den Monitor des Ultraschallgerätes blickten – des Studiengerätes, wie mir mit Entsetzen auffiel; ein Gerät, das eigentlich nur zu Studienzwecken verwendet werden durfte und ganz bestimmt nicht von Studenten zu – ja, zu was eigentlich?
“Also…, das sind Lisa, Laura und Nicole. Sie machen gerade ihr Pflegepraktikum…” Die drei Mädels nickten eifrig. “Du weißt schon, sie fangen im Herbst mit dem Medizinstudium an, und da dachte ich, ich kann ihnen schon mal ein wenig was zeigen… so als Medizinstudent, verstehst du?”
“Ah ja? Und was zeigst du den Damen so?” Ich konnte mir ein extra breites Grinsen nicht verkneifen.
“Wir gehen gerade die Anatomie des Oberbauchs durch…” nuschelte Willi in seinen nicht vorhandenen Bart.
“Das ist sehr beeindruckend, Willi. Ich meine, Milz und Nieren sind für den Anfänger echt nicht leicht zu erkennen, dass du das in den gefühlten drei Jahren, die du bei uns bist, schon gelernt hast… da können wir uns ja echt glücklich schätzen!” Willi lächelte etwas unsicher.
“Und wenn du jetzt noch den richtigen Schallkopf einschaltest, dann könnte man sogar etwas sehen auf dem Monitor!”
Garstig. Ich weiß.
Mit einer schwungvollen Bewegung nahm ich Willi den Konvexschallkopf aus der Hand und tippte auf die Oberfläche. Auf dem Monitor war nichts weiter zu sehen als dezentes Schneegestöber. “Willi… das ist schon der richtige Schallkopf, wenn man den Oberbauch untersuchen möchte, da gebe ich dir recht. Allerdings…”, ich ließ meine Hand aber den Touchscreen wandern, bis ich an das Feld “Einstellungen” kam. “Allerdings muss man dann auch den entsprechenden Schallkopf ansteuern. Dies ist zu sehen an der weißen Lampe, die hier an der Seite des Schallkopfs leuchtet.” Ich deutete auf den Schallkopf in meiner Hand. Die Lampe leuchtete nicht. “Du hast den Linearschallkopf eingeschaltet! Ich deutete auf das Bild eines Linearschallkopfes, was soeben auf dem Touchscreen erschien. “Der ist für oberflächliches Gewebe. Damit kann man Gefäße, Nerven oder die Lunge schallen. Ich nahm den Linearschallkopf in die Hand und zeigte das weiße Licht der Lampe an der Schmalseite des Schallkopfs in die Runde. “Siehst du?” Dann tupfte ich auf den Linearschallkopf, und sofort wurde eine Bewegung am Oberrand des Monitors sichtbar.
Willi wurde zunehmend röter. Die drei Mädels stießen sich gegenseitig in die Seite und kicherten.
“Ach so… naja, ich hatte das gerade umgestellt… ich wollte jetzt die Lunge schallen…”, versuchte Willi sich halbherzig zu verteidigen.
“Tatsächlich? Das kannst du auch?”
Wohlwissend, dass ich für diese Gemeinheit mindestens im ewigen Fegefeuer würde braten müssen, stöpselte ich das Gerät aus und schob es wortlos aus dem Zimmer.

Es war übrigens das letzte Mal, dass Willi sich über das Studiengerät hergemacht hat.

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Rambo und der blaue Reiter (2)

“Wieso muss ich das eigentlich zahlen?”, nörgelte ich, während ich der Dame hinter der Kasse die 22 Euro reichte.
“Und den Ausstellungskatalog bitte auch!”, fügte Rambo noch an.”
“Was, bist du wahnsinnig?”, zischte ich.
“Das macht dann nochmal 35 Euro!”, erklärte uns die Dame.
“Nein, es gibt keinen Ausstellungskatalog!”, rief ich entsetzt.
Rambo machte ein Gesicht, dass keinen Zweifel dran ließ, dass wir einen Ausstellungskatalog benötigten. Ich seufzte und zahlte.
“Danke.”, sagte er freudestrahlend.
“Ey, dafür dass ich dich nicht mal besonders leiden kann, gebe ich schon verdammt viel Geld für dich aus.”
Rambo überging meinen Kommentar galant. Er zerrte mich in den ersten Ausstellungsraum und zeigte auf ein Bild.
“So, siehste, hier ist doch so ein Pferd. Was sage ich jetzt dazu? Klecksbild von Typen, der dafür viel Geld kassiert hat, obwohl ich hätte besser malen können.”
“Wo siehst denn du da ein Pferd?”, fragte ich.
Rambo zuckte mit den Schultern.
“Lass mal sehen… das ist ‘Träumerische Improvisation ‘ aus dem Jahre 1913.”
“Mann, der Typ muss doch voll auf Droge gewesen sein!”
“Ach, Rambo…”
“Ist doch wahr!”
“Das solltest du aber nicht sagen, wenn du deine neue Flamme beeindrucken willst.”
“Sondern?” Jetzt war Rambos Interesse geweckt.
“Mal sehen, was dazu im Ausstellungskatalog steht…” Ich blätterte in demselben. “Ah, hier… Also, die gesamte Komposition strahlt eine abgeklärt ruhige Stimmung aus..” Rambo fing an zu lachen. Das konnte ja heiter werden.
“Aaaaannnnnnnaaaa!”, ertönte es da plötzlich hinter mir. Oh je, dachte ich, diese Stimme kannte ich doch nur zu gut. Auch Rambo drehte sich jetzt interessiert um.
“Willi. Wie schön.”, sagte ich tonlos. Und tatsächlich wirbelte Willi etwas ungelenk heran und hatte auch noch die Nerven, mich stürmisch zu umarmen. Mir wurde übel. Der Höhepunkt allerdings versteckte sich hinter Willi.
“Anna, das ist ja eine Überraschung!” Allerdings. “Darf ich vorstellen?” Er machte eine ungeschickte Handbewegung in Richtung der Dame an seiner Seite. “Das ist Cornelia. Meine Freundin.” Er betonte das Wort “Freundin” besondern deutlich.
“Wat is? Du hast ne Freundin? Eine, für die du nicht bezahlen musst?”, entfuhr es mir. Cornelia schien mich nicht zu mögen, sie guckte etwas pikiert. Willi überging meine Geschmacklosigkeit einfach.
“Und das hier ist wohl dein Freund?”, fragte Willi interessiert mit Blick auf Rambo, der, so muss ich an dieser Stelle wohl anfügen, mit seiner Armeehose und dem Feinripp, der seine prolligen Tattoos von rothaarigen Meerjungfrauen und was weiß ich nicht zu verbergen mochte, nicht gerade intellektuell ansprechend aussah.
“Nein!”, rief ich daher schnell. Und laut. Vor allem laut. Viele Leute drehten sich nach uns um.
“Für mich bezahlt sie aber!”, grölte Rambo und kugelte sich fast auf dem Boden ob seines gar nicht komischen Witzes.
“Halt die Klappe, du Idiot.”, herrschte ich ihn an. Er lachte weiter. Willi sah etwas irritiert aus.
“Das ist mein minderbemittelter Nachbar. Ignorier ihn einfach.” Fast genauso minderbemittelt wie du, wollte ich noch anfügen, ließ es dann aber.
“Anna…” Willi schüttelte den Kopf. “Es tut mir sehr leid zu hören, dass du anscheinend niemanden hast, mit dem du dein freies Wochenende verbringen kannst…” Ich starrte entgeistert zwischen Rambo und Willi hin und her. “Guck mal, du bist doch ein hübsches Mädchen… woran liegt es denn?”
“Bitte?” Ich dachte, ich hör nicht richtig.
“Also, was ist denn das Problem? Ich könnte dich mal meinem Freund Theobald vorstellen, er ist Diakon und sucht noch eine Frau.” Mir wurde schwindelig. “Bitte nicht.”, sagte ich flehend. Ich stand im Museum und musste mir Beziehungsratschläge von Willi anhören. Von Willi! Ich meine, wie abgefahren war das denn?
“Du musst einfach öfter mal rauskommen. Was unternehmen! Fahrradfahren und so.”
“Fahrrad?”
“Oder du suchst dir jemanden im Internet. Gib mal eine Kontaktanzeige auf! So habe ich auch Cornelia kennengelernt!”
Ich hyperventilierte. Rambo lachte weiter, jetzt sehr gehässig.” Ey Anna, wenn du im Internet suchst, finden wir vielleicht zusammen. Ein Date haben wir ja jetzt schon mal!” grölte Rambo weiter und klatschte sich dabei auf die Schenkel.
“Oder du könntest einem Bibelkreis beitreten. Ich höre, da sind viele alleinstehende Männer zu finden.”
“Hat Theobald dir das erzählt?” Langsam fand ich wieder zu meiner Form.
“Genaugenommen…”
“Willi, wenn du jemals wieder einen Patienten auch nur aus der Ferne möchtest, würde ich dir raten, jetzt schnellstmöglich die Klappe zu halten.”
“Ich wollte doch nur…”
“KLAPPE, WILLI!”
“Anna, wenn du immer so aufbrausend bist…”
Jetzt reichte ich mir. Wortlos steuerte ich mitsamt dem Ausstellungskatalog zum Ausgang.

Wie ging das wohl weiter? Wird Rambos Date ein Erfolg? Und wird sich Willi aus seiner Rolle als Frau Kallwass verabschieden können? Wir werden sehen…

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Willi, nein! (1)

“Ich habe Frau Schneider, Herrn Müller und Herrn Weber untersucht, du kannst sie jetzt verlegen!”, erklärte Willi stolz. Ich ließ fast meinen Stift fallen.
“Erstens, Willi, bin ich heute nicht für die Entlassungen zuständig und zweitens, hättest du bei Visite zugehört, so wäre dir aufgefallen, dass weder Herr Weber noch Frau Schneider heute entlassen werden.” Willi wurde puterrot. Er gab sich ja echt Mühe in letzter Zeit, aber sowas… “Außerdem…”, fügte ich nach einem Blick über die Betten hinzu, “auch wir verlegen Patienten in der Regel nicht, wenn sie noch intubiert sind.” Dabei zeigte ich auf Frau Schneider, der unübersehbar ein Tubus aus dem Mund ragte.  Willi blickte bedröppelt drein. Irgendwie tat er mir leid. Er hatte es ja gut gemeint, aber in üblicher Willi-Manier mal wieder nicht aufgepasst.
“Na gut… Herr Weber ist ja nicht schlecht beieinander.” Ich legte meinen Stift ab und ging ans Krankenbett. Willi folgte mir. Ich nickte dem Patienten kurz freundlich zu, dann wandte ich mich seiner Kurve zu. “Wir können Herrn Webers Fall gemeinsam besprechen, und dann kannst du ihn heute bei Visite vorstellen, ok?”, fragte ich ihn. Ich kam mir vor wie ein heiliger Samariter, eigentlich war es bei Strafe verboten, Willi auch nur in die Nähe eines Patienten zu lassen, aber andererseits hatten wir auch eine Ausbildungspflicht, und der Gashahn würde es sicher begrüßen, wenn ich mich ein wenig um Willis Ausbildung kümmerte.
“Also…”, fing ich an. “Zuerst einmal musst du alle Informationen über den Patienten ordnen und dir überlegen, was relevant ist. Herr Weber liegt ja schon seit ein paar Tagen hier, da musst du nicht wieder bei Adam und Eva anfangen, weil alle, die auf Visite mitgehen, den Patienten ja schon kennen. Fokussiere daher auf aktuelle Probleme und formuliere einen Lösungsansatz. Wichtig ist, dass du einen Plan hast, wie der Patient schnellstmöglich die Intensivstation wieder verlassen kann. Dazu musst du…” In diesem Moment riss ein lautes Piepsen mich aus meinem Redefluss – der hausinterne Reanimationsalarm.
“Mist.”, schimpfte ich.
“Darf ich mit?”, rief Willi mir nach, als ich in Richtung Ausgang rannte.
“Definitiv nicht!”, schrie ich zurück. “Du bleibst da und denkst über das nach, was ich dir gesagt habe!” Das würde dann wohl diesmal nichts werden mit der Patientenvorstellung für Willi, aber vielleicht beim nächsten Mal, er war schließlich noch eine Weile da.

Der Alarm stellte sich als Fehlalarm heraus, so dass ich zehn Minuten später wieder die Intensivstation betrat. Die Visite sammelte sich gerade – am Bett von Herrn Weber. Ich sah Willi nach der Kurve greifen und ein wichtiges Gesicht machen. Er würde doch nicht etwa…
“Anna!”, rief der Gashahn erfreut, als er mich sah. “Der Kollege Willi sagte uns, dass Sie ihn schon sehr gut vorbereitet hätten auf die heutige Visite. Daher freuen wir uns auch ganz besonders, dass Willi uns jetzt den Herrn Weber vorstellen wird – inklusive Therapieplan, wie Willi uns sagte. Ich bin wirklich sehr gespannt!” Dabei lächelte er Willi aufmunternd zu.
Mein Gesicht erstarrte zu einer Maske. Das konnte ja nur Ärger geben…

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Die Prüfung (1)

“Ach, da sind Sie ja…”, rief der Gashahn verzückt aus, als er meiner im Aufenthaltsraum gewahr wurde, als ich gerade in mein Käsebrötchen beißen wollte. Selbiges blieb mir sofort im Halse stecken, denn der säuselnde Tonfall des Herrn Oberarztes verhieß nichts Gutes. Er setzte sich auch sogleich neben mich und schlug einen verschwörerischen Tonfall an. “Ich hätte da eine Spezialaufgabe für Sie…”
“Nein, danke.”, sagte ich und konzentrierte mich wieder auf mein Käsebrötchen, was plötzlich eine gummiartige Konsistenz bekommen hatte.
“Doch, doch. Sie kennen doch den Willi…”
“Nein.” Den Willi kenne ich jetzt echt nicht mehr, war schon froh, dass sein PJ-Tertial jetzt endlich rum war und ich ihn nicht mehr sehen musste.
“Oh doch, Anna, Sie kennen den Willi sehr gut. Passen Sie auf, es ist Folgendes: Doktor Ungut hat beim Chef interveniert und dafür gesorgt, dass Willi nach seinem Examen eine Stelle bei uns bekommt.”
“Nein! Das hat er nicht wirklich getan!” Ich spuckte dem Gashahn fast ein halbes Käsebrötchen ins Gesicht, so heftig verschluckte ich mich. Der Gashahn tat, als würde er mein Röcheln nicht bemerken und fuhr seufzend fort: “Oh doch, das hat er getan. Ich weiß auch nicht, wieso er uns das antut, aber es kommt noch schlimmer. Der Ungut hat nämlich Sorge, dass der Willi die praktische Anästhesie-Prüfung nicht schafft.”
“Natürlich schafft er die nicht, aber das würde ich eher als Glücksfall bezeichnen.”, erwiderte ich, nachdem ich wieder Luft bekam.
“Nun…” der Gashahn lehnte sich in den Stuhl zurück. “Der Chef sieht das leider anders. Und der Ungut hat ihm zudem noch vermittelt, dass Sie dafür Sorge tragen könnten, dass er doch noch durch die Prüfung kommt.”
“Lieber nage ich mir das linke Bein ab.”
“Das ist sehr löblich von Ihnen, wird Ihnen aber nichts nützen. Der Chef war sehr deutlich in seinen Anweisungen. Sie haben dafür zu sorgen, dass der Willi die Prüfung besteht, und wenn nicht… nun, sagen wir mal so, er macht Ihre weitere Karriere davon abhängig.”
Jetzt musste ich doch noch einmal husten. “Was bitte? Warum macht das der Ungut nicht selbst?”
“Der fliegt morgen für drei Wochen auf die Kanaren, und die Prüfung ist schon heute in einer Woche. Prüfer ist übrigens Prof. Deutschmann, und der und unser Chef sind sich Spinnefeind, daher brauchen Sie es über diese Schiene gar nicht erst zu probieren.”
“Äh, und wie stellt sich der Chef das jetzt vor, dass ich dem Willi in einer Woche theoretische und praktische Anästhesie beibringe? Das haben wir alle doch in drei Monaten PJ nicht gepackt!”
Der Gashahn stand auf und klopfte mir ermutigende auf die Schulter. “Sie schaffen das schon. Und wenn nicht… naja, darüber wollen wir lieber nicht nachdenken…” Sprache und verschwand aus dem Aufenthaltsraum. Ich starrte ihm fassungslos hinterher.

Und nun? Irgendwie musste ich wohl oder übel dafür sorgen, dass Willi diese Prüfung bestand. Ich überlegte ernsthaft, ob ich den Ungut noch vor seinem Urlaub ermorden sollte. Der Gedanke schien mir gar nicht mal so abwegig, aber es würde mein akutes Problem nicht lösen. Eine Woche mit Willi zu lernen war zum einen sinnlos und zum anderen würde ich es seelisch nicht durchstehen. Es musste eine andere Lösung geben… Prof. Deutschmann war eine Kapazität am örtlichen Uniklinikum… da fiel mir etwas ein. In seiner Abteilung kannte ich doch einen Anästhesisten… ein Plan reifte in mir heran… Es konnte eigentlich nur in einer absoluten Katastrophe enden, aber es war meine einzige Chance… Seufzend nahm ich mein Handy aus der Tasche und wählte eine Nummer…

Wie geht es weiter? Wird Willi die Prüfung bestehen? Und was muss ich tun, damit Willi den Hauch einer Chance hat? Das erfahrt Ihr bald hier…

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Vorsätze für das neue Jahr

Nach Abklingen des Katers habe ich meine guten Vorsätze für 2012 nochmals revidiert. Mögen Sie Euch als Anregung dienen.

1. immer meistens manchmal wenigstens einen Tag pro Woche vegan leben

2. Ivan endlich ins Tierheim geben nett behandeln

3. Den Patienten beim Einschlafen nicht mehr das Intro der Muppet Show vorsingen

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4. Langsam mal daran denken, Abitur Facharzt zu machen

5. Endlich mal nachlesen, wie das weiße Zeug heißt, das wir da immer zum Einleiten spritzen

6. Willi nett behandeln nur noch einmal pro Woche demütigen

7. Einen Fachartikel über die Intubation bei Katzen zu verfassen, basierend auf extensiven Experimenten

8. Die Weltherrschaft übernehmen

 

Ich wünsche Euch allen ein frohes Neues und bleibt mir auch dieses Jahr treu! Bis die Tage…

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In der Prämedikationsambulanz (2)

Grummelnd verschwand ich mit dem ersten Patienten in einem der Untersuchungszimmer. Dabei schloss ich nachdrücklich die Tür. Willi hatte mir gerade noch gefehlt. Ich teilte auch Gashahns Einschätzung nicht, dass Willi in der Ambulanz keinen Schaden anrichten könne. Nur mit Mühe konnte ich mich auf den ersten Patienten konzentrieren.
“Herr Schmidt…”, sagte ich mit einem gekünstelten Lächeln. “Was machen wir denn bei Ihnen?” Das wusste ich natürlich schon, aber ich lasse es die Patienten einfach gerne selbst sagen.
“Galle muss raus.”, erwiderte Herr Schmidt knapp.
“Aha.” Ein kurzer Blick in die Akte hatte mir schon verraten, dass Herr Schmidt zwar etwas übergewichtig war (ok, für die Info hätte es keiner Akte benötigt) und etwa 30 Zigaretten pro Tag rauchte, aber sonst eigentlich ganz gesund war. Also ein kurz abzuhandelnder Fall.
“Sind Sie schon mal operiert worden?”, fragte ich.
“Nein, das ist das erste Mal!”, entgegnete Herr Schmidt etwas unsicher. Ein paar Schweißperlen sammelten sich auf seiner Stirn.
“Nun, dann erzähle ich Ihnen mal, wie das so abläuft..:”, begann ich.
“Ich will aber nicht das Zeug haben, das Michael Jackson umgebracht hat!”, rief er sogleich dazwischen.
Ich seufzte. Nicht schon wieder. Wie oft hatte ich diesen Satz in den letzten Monaten schon gehört? Und seit dem Conrad Murray Trial ist es nochmals schlimmer geworden.
“Wieso nicht?”, fragte ich ihn also.
“Ich will nicht sterben!”, kreischte er mit einer für ihn viel zu hohen Stimme.
“Michael Jackson wäre auch nicht gestorben, wenn sich das Propofol und er Hand eines Anästhesisten befunden hätte und die ganze Aktion nicht in seinem Schlafzimmer angesiedelt gewesen wäre.” Herr Schmidt sah mich irritiert an. “Gucken Sie mal…”, fuhr ich fort. “Für diese Art von OP brauchen Sie einen Beatmungsschlauch. Und die Operateure brauchen, dass Sie still halten. Deshalb übernehmen wir das mit dem Atmen für Sie. Gehört zum Service. Dafür müssen Sie selbst aber mal mit dem Atmen aufhören, sonst können wir Ihnen den Beatmungsschlauch nicht in den Hals schieben. Und dafür brauchen wir das Propofol – neben anderen Medikamenten. Sie sehen, ist also alles so, wie es sein sollte.”
Herr Schmidt sah an die Decke. Er schien angestrengt zu überlegen. “Können Sie garantieren, dass das mit dem Beatmen klappt?”. fragte er schließlich.
“Gute Frage!”, rief ich ein wenig zu enthusiastisch. “Nein, das kann ich natürlich nicht, aber für gewöhnlich gelingt uns das immer irgendwie.” Der Blick, den er mir daraufhin zuwarf, erinnerte mich irgendwie an den eines Rehs, das im Scheinwerferlicht gefangen ist, während es die Katastrophe unweigerlich auf sich zurollen sieht. Es gab also noch Erklärungsbedarf. “Also… das ist so. Sie schlafen ein. Dann drücke ich Ihnen eine Maske aufs Gesicht und versuche, Sie zu beatmen. wenn mir das gut gelingt, dann bekommen Sie ein Mittel, das ihre Muskulatur erschlaffen lässt. Dann können Sie nicht mal selber Atmen, wenn Sie es wollten.”
“Und wenn Ihnen das mit der Maske nicht gelingt?” Herr Schmidts Gesichtsausdruck hatte jetzt mehr was von einem panischen Kaninchen. Passte gar nicht so zu dem großen und kräftigen Kerl.
“Naja, dann bekommen sie kein Muskelrelaxanz. Dann haben Sie zumindest die Chance, noch mal aufzuwachen und selbst zu atmen… Vorher haben wir Sie ja schon eine hohe Konzentration Sauerstoff atmen lassen, damit waschen wir den Stickstoff aus ihrer Lunge und haben dann viel mehr Zeit, als wenn Sie, so wie Michael Jackson, vorher nur Raumluft geatmet haben.”
“Wie viel mehr Zeit?”, fragte er jetzt, mehr so asthmatisch klingend.
“Etwa acht Minuten.”, sagte ich, korrigierte mich aber sogleich nach einem Blick auf seinen imposanten Bauch: “Vier Minuten vielleicht in Ihrem Fall.”
“Und wenn Sie es auch in vier Minuten nicht schaffen und ich nicht selber wieder atme?”
“Dann versuche es mal mit einer Kehlkopfmaske. Das geht dann oft.”
“Und wenn nicht?” Seine Gesichtsfarbe hatte von blass auf blass mit hektischen roten Flecken gewechselt.
“Dann versuche ich einfach mal zu intubieren.”, erklärte ich ihm mit meinem freundlich antrainierten Lächeln.
“Und wenn das auch nicht geht?” Der Kerl ist aber auch impertinent.
“Dann haben wir eine klassische cannot ventilate – cannot intubate Situation. Das ist der Moment, in dem ich mal nach Hilfe rufen würde.”
“Wie beruhigend!”, rief er aus.
“Nicht wahr?”
“Und was machen Sie zwei beiden dann?”
“Och, dann darf jeder mal versuchen… mit einem Führungsstab, mit dem Videolaryngoskop, mit dem Bronchoskop…”
“Und wenn das auch nicht geht?”, keuchte er.
“Dann macht ihnen der Ranghöchste einen Schlitz in den Hals. Aber keine Sorge, das bin sicher nicht ich.”, erklärte ich ihm, weiterhin freundlich-zugewandt.
Herr Schmidt klammerte sich nun an der Tischkante fest.
“Muss das sein, das mit der OP?”, fragte er mit gepresster Stimme.
“Ja.”, erwiderte ich trocken. “Hier bitte unterschreiben.”
Nach weiteren zehn Minuten der Diskussion unterschrieb Herr Schmidt schließlich mit zitternder Hand. Zufrieden schob ich ihn aus dem Untersuchungszimmer. Die Tür zum Zimmer daneben war nur angelehnt. Zu meinem Entsetzten hörte ich darin eine bekannte und sehr laute Stimme. “… Und dann rammen wir eine sehr große Nadel in ihr Rückenmark und schieben da einen Schlauch drüber, der…” Ich riss die Tür auf. In dem Zimmer saßen eine sehr verängstigt aussehende Frau und – natürlich Willi.
“Willi! Du grenzdebiler Schrecken der Menschheit, Was TUST DU???, schrie ich in das Zimmer hinein.

Der Tag fing echt gut an.

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In der Prämedikationsambulanz (1)

“Was hast du verbrochen?” fragte mich Anja, die Sekretärin der Prämedikationsambulanz, als ich mit nur einer halben Stunde Verspätung doch mal zur Arbeit erschien.

“Wieso?” Ich stellte meine Lunchbox demonstrativ auf den Tresen. Ich hatte noch keine Ambitionen, mich den fünf Patienten zuzuwenden, die ich aus dem Augenwinkel schon im Wartezimmer sitzen sah. Anja nickte stumm in Richtung eines Computerarbeitsplatzes. Ich schrie kurz auf. In dem Moment drehte er sich auch schon um.
“Hallo Anna!” rief Willi erfreut. “Guck, ich soll jetzt hier mitmachen, wegen meiner Hand!” Und er hielt mir seine verbundene Pfote entgegen. “Ist das nicht toll? Darf ich auch selbst Patienten prädezimieren?”
“Definitiv nicht!” entfuhr es mir. Gleichzeitig griff ich über den Tresen und angelte mir das Telefon. Hektisch tippte ich Gashahns Nummer ein.
“Wie kann das sein?” entfuhr es mir, als er antwortete. “Ich dachte, ich darf jetzt nicht mehr mit Studenten arbeiten, und jetzt sitzt dieser minderbemittelte Volltrottel in meiner Ambulanz rum und will hier mitspielen!” Es war völlig egal, ob Willi mich hörte oder nicht. Der Gashahn lachte nur hämisch und sagte, dass weder er noch ich in der Ambulanz viel Schaden anrichten könnten, daher sei diese Kombination doch geradezu ideal. Dann legte er einfach auf. Willi blickte mich noch immer mit dem gleichen erwartungsvollen Gesichtsausdruck an. “Fangen wir jetzt an?”
“Ich fange jetzt an – allein.” sagte ich, griff mir die erste Akte und den ersten Patienten und verschwand wortlos in einem der Untersuchungsräume.

Mal gucken, wie lang er sich diesmal fernhaften lässt…

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NEIN!!! Teil 2

Ich stürmte in Richtung meines Saals. Statt des üblichen “Guten Morgen” rief ich, nach einem kurzen Blick auf den Patienten: “Null zwei Fenta, hundertachtzig Diso und vierzig Tracrium!” Dann stürzte ich mich auf das Narkosegerät. Pfleger Marc sah mich etwas irritiert an, der Patient gleich einem Mondauto.
“Guten Tag, mein Name ist…”  versuchte er sich zu äußern.
“Müller, Knie, gesund, weiß ich schon!” unterbrach ich ihn, während ich ihm unsanft eine Maske auf das Gesicht drückte, was weitere Äußerungen des Herrn Müllers unterband, bzw. zumindest unhörbar machte. Hektisch drehte ich den Sauerstofffluss auf. Marc spritzte achselzuckend die Medikamente. Als Herr Müller unsanft ins Reich der Träume hinüber geglitten war, sah mich Marc erbost an.
“Was sollte denn das jetzt? Der arme Herr Müller! Der ist jetzt völlig traumatisiert!”
“Hast recht.” erklärte ich nach kurzer Überlegung. “Spritz ihm noch zwei Milligramm Midazolam, dann weiß er es zumindest nicht mehr.”
“Das meinte ich nicht! Was sollte denn der Auftritt eben?”
Ich seufzte. “Laryngoskop.” sagte ich und hielt die linke Hand auf.
“Das Relaxanz wirkt noch nicht!” belehrte mich Marc.
“Das weiß ich. Gib mir jetzt das Laryngoskop. Glaub mir, es ist besser so für Herrn Müller. Und für uns beide auch.”
Kopfschüttelnd gab mir Marc das Gewünschte. Mit großer Mühe intubierte ich den hustenden Patienten.
“Und was soll daran jetzt gut sein?” fragte Marc, noch immer kopfschüttelnd.
“Wirst du gleich sehen…” murmelte ich. In diesem Moment öffnete sich mit einem hissenden Geräusch die Tür zum Gang. Herein kam – Willi.
“Oh nein!” rief Marc aus.
“Wie, schon intubiert?” fragte Willi enttäuscht. “Aber das soll ich doch lernen! Ich bin jetzt PJler, du musst mich das alles machen lassen!”
“Sorry, Zeitdruck und so, weißt schon, Zeit ist Geld im Krankenhaus, das wirst du schon noch früh genug lernen.” entgegnete ich barsch, während ich die Tür zum OP aufriss und “Fertig” brüllte.
Während Marc und ich den Patienten in den OP schoben und dabei Willi nur mit Mühe von einer versehentlichen Extubation abhalten konnten, flüsterte Marc mir zu: “Jetzt verstehe ich so einiges…”

Und so ein PJ-Tertial dauert ja ganze 16 Wochen…
Werde ich Willi wieder los?
Kann ich ihn von Herrn Müller fernhalten?
Und wie werden die Chirurgen auf Willi reagieren?

Wir werden sehen…

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NEIN!!!

Das Grauen hat einen Namen. Er ist zurück. Wer?

Immer der Reihe nach. Langsam schlurfte ich über den Gang zur Morgenbesprechung. Ist ja auch wirklich eine unchristliche Zeit. Und dann auch noch ein Montag. Halb verschlafen ließ ich mich auf einen Stuhl fallen. Ich hatte eh die ganze Nacht nicht schlafen können, weil Ivan Radau gemacht hat. Die Flitzpiepe. Er soll sich endlich mal angewöhnen, in einem anderen Zimmer zu schlafen. Also habe ich ihn kurzerhand ausgesperrt. Die ganze Nacht hat er an der Tür gekratzt, aber ich bin hart geblieben. Ich meine, hätte ich damals nicht so ein schlechtes Gewissen gehabt, als er sich die Beine gebrochen hat, also, als ich ihm quasi die Beine, versehentlich… Ihr kennt die Geschichte… jedenfalls wäre es ohne diese Episode nie so weit gekommen. Aber ich schweife ab. Ich saß also völlig übermüdet auf meinem Stuhl und hörte gar nicht so richtig zu. Irgendwas mit: “Wir begrüßen unsere neuen PJler… blah blah…” Gefühlte zehn neue Gesichter sprangen durch den Raum. Neue Gesichter? Plötzlich baute sich eine vertraute Gestalt vor mir auf.
“Aaaaaannnnaaaa!” ruft die Gestalt überschwänglich und fällt mir zu allem Überfluss auch noch um den Hals. Ich verfalle in eine Schockstarre. Mit einem Mal bin ich hellwach. “Ich bin wieder da! Und jetzt bin ich schon im PJ, ist das nicht toll?”
Ich find’s gar nicht toll. Vor mir steht nämlich tatsächlich – Willi. Ich dachte echt, dass wir den nach der Notarztnummer für alle Zeiten los wären… Aber er ist wohl ein echter Stehauf-Willi. Als wären wir beste Freunde hakt er sich bei mir unter und zerrt mich in Richtung OP. “Darf ich in deinen Saal kommen?” fragte er aufgeregt.
“Nein!” rief ich entgeistert. Es war das erste Wort, was ich nach dem Anblick von Willi herausbrachte.
“Super, wo bist du?” fragte er, meine Antwort ignorierend.
“Saal Vierzehn!” grölte etwas hinter mir. Der Ungut natürlich. Arsch.
“Dann bis gleich!” rief Willi fröhlich und verschwand in Richtung Herrenumkleide.

Ich tat mir unglaublich leid.

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Willi, der Schrecken aller Notärzte (Teil 1)

Phillip und ich saßen mal wieder im Zimmer der Feuerwehr und spielten Schach. Diesmal waren wir nicht allein, sondern erfreuten uns an der Gesellschaft von Willi. Willi ist unser Student. Er macht gerade seine erste Famulatur und hatte irgendwen bestochen, damit er auf dem NEF mitfahren darf. Natürlich heißt er gar nicht Willi, seinen richtigen Namen konnte ich mir nicht merken. Phillip und ich hatten uns auf Willi von Biene Maja geeinigt, weil er einfach so aussah. Der Einsatz beim Schachspiel war diesmal die Pizza am Abend. Es war nämlich schon etwa 18 Uhr und ich hatte langsam Hunger. Eigentlich hätten wir auch gar nicht spielen brauchen, denn wir hatten uns eh schon geeinigt, dass Willi zahlt. Davon wusste er nur noch nichts, aber da er ein mieser Schachspieler war, sah ich unser Abendessen gar nicht in Gefahr. Willi war erst eine Stunde zuvor zu uns gestoßen und wir hatten in dieser Zeit noch keinen Einsatz gehabt, so dass wir ausreichend Zeit hatten, ihn kennenzulernen.

Willi war nicht mein Fall. Er trug ein Goldkettchen und sah damit aus wie ein Zuhälter, zumindest, wenn man sich das Milchgesicht wegdachte. Das hätte mir ja noch egal sein können, jedoch hielt er sich auch in seinem frühen Ausbildungsstadium bereits für Gottes Geschenk an den Rettungsdienst, nur weil er vor zehn Jahren mal für drei Wochen einer Jugendgruppe irgendeines Rettungsdienstes beigewohnt hatte und dabei mal eine Puppe reanimieren durfte, wie er nicht müde wurde zu erwähnen (ich vermutete, die Dauer des Gastspiels war deshalb so kurz, weil sie ihn rausgeworfen haben). Dabei betete er den Algorithmus für die Reanimation herunter, so wie er vor zehn Jahren mal aktuell war (jüngste Entwicklungen hatte er dabei geschickt ausgeblendet). Phillips Korrekturversuche wollte er natürlich nicht hören. Nach 30 Minuten mit Willi war ich also schon maximal gestresst, und ich sah in Phillips Gesicht, dass es ihm ähnlich erging. Beim Schach spielen zählte Willi uns auf, was er alles zu sehen wünschte: Reanimation natürlich, schwerer Verkehrsunfall und Schwerstbrandverletzte. Ich zählt ihm dann auf, was ich definitiv an diesem Abend nicht zu sehen wünschte: eine Reanimation, einen schweren Verkehrsunfall und Schwerstbrandverletzte. Er wirkte enttäuscht. Ich versuchte, ihm etwas über den Alltag im Rettungsdienst zu erzählen. Ich erzählte daher etwas von V.a. ACS, Nierenkoliken und gebrochenen Oberschenkelhälsen, die was gegen Schmerzen bräuchten. Willi erwiderte dann zu meiner großen Freude, dass er sich niemals vorstellen könne, Anästhesist zu werden. Sozialkompetenz, wie Ihr wahrscheinlich spätestens jetzt bemerkt habt, hatte er keine. Ich schlug ihm daher vor, später mal in die Mikrobiologie zu gehen, was er natürlich nicht verstand. Ich seufzte also und setzte ihn nach sieben Zügen schachmatt. Das gab mir eine gewisse Genugtuung und sicherte uns das Abendessen.

Als der Alarm ausgelöst wurde und wir zum Auto sprinteten, hoffte ich inständig auf ein Meldebild wie: hypertone Krise. Also etwas, wo der Patient schon im RTW liegt, der RA schon das Ebrantil in der Hand hält und sagt: “Soll ich 10 mg spritzen?”
Am Auto angelangt erfreute mich Willi damit, dass er sich direkt auf meinen Platz setzte. Ich war überrascht, dass er mit seinen kurzen Stummelbeinchen überhaupt so schnell laufen konnte. Mit einem lauten Ächzen hatte er sich auf den Beifahrersitz geworfen und sah mich, die ich neben der  Autotür stand, erwartungsvoll an.
“Raus.” sagte ich nur. Willi winselte. Ich zeigte auf die Rückbank. “Nach hinten!” Willi machte keine Anstalten, sich zu bewegen. Ich auch nicht. Schließlich stieg er aus und trottete langsam um das Auto herum. “Ein bisschen schneller, bitte!” rief ich. Phillip rollte mit den Augen und ließ den Motor an. Erschrocken hüpfte Willi auf den Rücksitz. Phillip ließ den Motor aufheulen und fuhr los.
“Was ist es denn?” fragte Willi neugierig vom Rücksitz und versuchte, mir das Fax der Leitstelle aus der Hand zu reißen, während ich am Navi die Adresse eingab. Ich schob wortlos seine teigige und schweißige Hand weg. Erst jetzt las ich, was da als Alarmierungsgrund stand…

Aber das folgt dann morgen. Nur so viel: Willi wird noch zu einem wirklich großen Problem.

Nur mal so am Rande: Ich werde oft gefragt: “Ist das WIRKLICH so passiert?” Bitte seid nicht enttäuscht, wenn ich sage: es gibt, gab und wird auch hoffentlich nie einen Willi und die daraus resultierenden Ereignisse geben. Bei mir hätte es Willi wahrscheinlich nicht mal bis ins Auto geschafft :-D

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