Es war etwa halb elf. Nachts. Wir hatten gerade einen uns Schutzbefohlenen in einer Klinik abgeliefert, die nicht unsere eigene war. Ich war schwer bewaffnet mit Medikamentenkoffer und Büro und versuchte mich gerade verzweifelt zu erinnern, wo jetzt der Ausgang von dieser Notaufnahme war und wo wir geparkt hatten. Schwer bepackt hatte ich schließlich den Ausgang gefunden und schob mich durch die Tür auf den Parkplatz. Maurice hatte passenderweise irgendwo am anderen Ende geparkt und stand jetzt entspannt mit einem von der RTW-Besatzung mitten auf dem Hof und rauchte. Demonstrativ keuchend schob ich mich an den Herren vorbei in Richtung NEF. Etwas unschlüssig stand ich vor dem Kofferraum. Maurice war in sein Gespräch und seine Zigarette vertieft und machte keine Anstalten, mir zu helfen. Schlecht gelaunt öffnete ich den Kofferraum und versuchte, den Medikamentenkoffer wieder zu verstauen. Es ging nicht. Ich musste erst den blauen und den roten Koffer rausholen, den Medikamentenkoffer in der passenden Tasche verstauen und dann alle Einzelteile wieder in den Kofferraum schieben. Dabei machte ich einen Heidenlärm. Nur so zur Sicherheit. Maurice reagierte noch immer nicht. Beleidigt setzte ich mich ins Auto und wartete. Nach der dritten Zigarette kam Maurice auch endlich.
“Hast du die Medikamente auch aufgefüllt?” fragte er zu Begrüßung. Ich lief puterrot an und ließ ein paar Schimpftriaden los, dann sprang ich aus dem Auto, zerrte etwas Lasix aus dem Seitenschrank, holte wieder alle Koffer aus dem Auto, ersetzte die gebrauchte Medikamente, stopfte wieder alles hektisch zurück und setzte mich unter lautem Gefluche wieder ins Auto.
“Siehste, geht doch.” bemerkte Maurice nur.

Und da erzählen mir doch andauernd Frauen, die im Notarztdienst tätig sind, sie müssten NIE irgendwas tragen, machen, auffüllen oder sonst was tun. Irgendwas mache ich da wohl falsch. :-D

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