Öfter mal was Neues…

Ich schreibe ja nun bekanntlich viel und gerne. Daher habe ich auch immer mal wieder was nur zur Hälfte Fertiggestelltes in der Schublade zu liegen. Oft fällt mir dann etwas Neues ein, an dem ich Schreiben möchte und das erfährt dann Priorität. Damit nicht all meine unfertigen Projekte in der Schublade liegen bleiben, habe ich jetzt mal was bei Wattpad eingestellt. Es ist ein fiktiver Roman, der 24 Stunden im Leben einer jungen Notärztin zeigt. Ich habe bislang ein paar Teile davon reingestellt und ich habe noch einige weitere Teile auf meinem Rechner, die nach und nach dazukommen werden. Der ein oder andere Teil wird dem geneigten Leser dieses Blogs vielleicht auch bekannt vorkommen, ähnliche Themen wurden auch schon mal im Blog verwurstet.

Dat Janze heißt:

Heroes Wear Haix -eine Blaulichgeschichte

und ist hier abzurufen:

Ich würde mich freuen, wenn es der ein oder andere lesen mag. Wenn es genügend Interesse daran gibt, motiviert es mich vielleicht auch, es noch ganz fertigzustellen. Kommentare sind immer gern willkommen!

Und da ich schon die ein oder andere Frage dazu bekommen habe: genau wie dieser Blog handelt es sich bei der Story um einen fiktiven Roman. Noch fiktiver, als dieser Blog es ist. Daher bitte ich von Fragen wie “Denkst du das wirklich?” oder “Hast du das echt erlebt?” abzusehen… Das heißt nicht, dass Ihr nicht fragen dürft, wie ich persönlich das ein oder andere sehe, aber nehmt das Manuskript bitte nicht als bare Münze!

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Willi, der Schrecken aller Notärzte (Teil 3) – Sky High

Ich musste dann am Freitag doch nicht weiter schreiben. Ich konnte die beiden Herren recht schnell aus meiner Wohnung komplimentieren. Erzdaemon hatte nach dem Kampf mit Ivan erstmal genug und wollte schnell irgendwo hin, wo man sich um seine Wunden kümmern konnte und Paul war nach dem Katzenfutter etwas übel. Ich empfahl das nächste Klinikum.

Jetzt möchte ich Euch aber nicht länger auf die Folter spannen. Ich rekapituliere daher noch einmal kurz die Situation, in der ich mich zuletzt befand: Die Patientin lag beatmet auf dem Boden. Willi war gerade kollabiert und hatte sein anverdautes Mittagessen über den meisten Anwesenden verteilt. Marek kümmerte sich etwas halbherzig um Willi und mit Phillip war eh nichts anzufangen, weil der mit der Reinigung seiner Kleidung beschäftigt war (was gab es da eigentlich in der Kantine zum Mittagessen? Ich hätte jetzt auf irgendwas mit rote Grütze getippt, jedenfalls der Farbe nach zu urteilen). Der zweite RA war rausgerannt, um einen Notarzt nachzufordern. Ich wies daher den First Responder an, mir zum einen das Beatmungsgerät zu bringen und zum anderen die Patientin zu säubern, denn auch die war von Willis Attacke nicht verschont geblieben. Der First Responder lamentierte eine Weile herum, gab aber schließlich nach und kümmerte sich lieblos um die ihm aufgetragenen Dinge. In diesem Moment hörte ich schon draußen ein Rumpeln. Schwungvoll ging die Tür auf und dort stand – Notarzt Nummer 2. Natürlich der Ungut, ich meine, wieso sollte das Schicksal es gut mit mir meinen? Ich weiß, dass ich Euch noch die Story aus San Diego schuldig bin, aber wie ich schon mal andeutete… es könnte da rechtliche Implikationen geben… ich will es mal so sagen: Von San Diego aus kann man mit der Straßenbahn direkt bis zur mexikanischen Grenzen fahren. Oder jemanden fahren lassen, wenn der etwas wehrlos ist. Mit dem nötigen Kleingeld bekommt man so jemanden auch über die Grenze, und das Entledigen der Kleidung und die Abnahme von Pass, Geld und anderen Annehmlichkeiten erledigt sich dann von ganz allein durch sorgsame mexikanische Mitbürger. Irgendwo gibt es dann auch in Mexiko eine deutsche Botschaft, und die kümmern sich auch gerne um nackte, mittellose Deutsche im Ausland. Es dauert nur ein wenig. Aber es scheint, dass Dr. Ungut nach einem Monat auch wieder den Weg zurück gefunden hat. Jedenfalls stand er jetzt im Wohnzimmer unserer Patientin und wechselte die Gesichtsfarbe zügig von blass auf rot, als er mich sah.
“Du…!” schrie er. Danach folgten noch ein paar andere Worte, mit denen er mich bezeichnete, und die ich so unangemessen fand, dass ich sie hier nicht zu Papier bringen möchte. Ich tat das, was ich am besten konnte und verlegte mich mal wieder aufs Beatmen, so eine differenzierte Einstellung des Gerätes kann schon mal meine ganze Aufmerksamkeit beanspruchen. Aus dem Augenwinkel sah ich jedoch, wie ein größeres Objekt sich meiner näherte. Ich duckte mich schnell und das Objekt landete mitten im Gesicht von Willi, der kurz stöhnte und dann wieder ins Reich der Träume abdriftete. Bei genauerem Hinsehen entpuppte sich das Objekt als Unguts rechter Schuh – warum haben die Leute immer das Verlangen, etwas nach mir zu werfen? Schuhe vornehmlich? Oder Katzen? Das war ja auch nicht irgendein Schuh, das war immerhin ein Haix, und die sind ja bekanntermaßen nicht gerade zart und haben Stahlkappen. Nun gut, mich hat es ja diesmal nicht getroffen. Die ganze Aktion lenkte allerdings Unguts Blick auf Willi, der noch immer hinter mir auf dem Boden lag.
“Willi!” rief er aus.
“Du kennst den?” fragte Phillip, der soeben aus dem Bad gekommen war und die vorgehende Aktion mit gerunzelter Stirn beobachtet hatte.
“Natürlich! Das ist doch der Willi! Unser Student! Er ist brilliant! So witzig und intelligent und so ganz anders als ihr Volltrottel!” erklärte er mit einer Handbewegung in unsere Runde.
“Wenn du jetzt auch noch behauptest, dass er gut aussieht, dann zweifle ich echt an deinem Urteilsvermögen.”  sagte Phillip ungläubig. Ungut funkelte ihn böse an. Dann schob er mich grob zur Seite, so dass ich unsere Patientin dabei fast extubiert hätte und beugte sich über Willi. Marek ließ sich dazu herab, ihm die ganze Geschichte zu erzählen.
“Habt Ihr denn schon die Vitalparameter überprüft?” fragte Ungut.
“Nö, wir finden den ja eh doof.” erklärte ich ihm. Phillip sah mich böse an, dem Ungut fiel fast der Unterkiefer runter.
“Kannst du dich nicht ein Mal zusammenreißen?” herrschte mich Phillip an. “Natürlich haben wir das. Wahrscheinlich orthostatischer Kollaps mit Kotzerei. Vielleicht hat er dabei auch aspiriert, jedenfalls ist er nur leidlich zugänglich. Druck ist jedenfalls 70 und er öffnet die Augen, wenn man ihn schlägt oder Stiefel ins Gesicht wirft. Ob er auch noch aspiriert hat, weiß ich nicht. Sättigung ist allerdings gut.” Phillip war irgendwie wütend, auf uns alle und insbesondere auf Willi und irgendwie auch auf mich. Mittlerweile war auch der zweite RTW eingetroffen und die Mannschaft stand etwas irritiert im Wohnzimmer herum.
“Zugang legen!” brüllte Ungut.
“Mach doch selbst.” sagte Marek und warf ihm eine Nadel vor die Füße.
Ich erkannt diesen Moment als eine gute Gelegenheit, die Patientin in Sicherheit zu bringen, mich von Ungut zu verabschieden und gleichzeitig Willi loszuwerden, der zunehmend wieder munterer wurde.
“Können wir abtransportieren?” Dankbar machte sich mein RTW-Team an die Arbeit und lagerte die Patientin um und schob sie dann aus der Tür in den wartenden RTW. Auch Phillip packte unsere Sachen. Nebenbei beobachtete ich eine heiße Diskussion zwischen Ungut und Maurice, seinem NEF-Fahrer.
“Was ist denn los?” fragte ich leicht genervt, als ich sah, dass Ungut Maurice eine Ampulle aus der Hand riss.
“Er will ihm Ketanest geben!”  rief Maurice aufgeregt.
“Wieso denn das, du Totalversager im Rettungsdienst?” Konnte ich mir nicht verkneifen.
“Ketanest, liebe Kollegin, wirkt zum einen blutdrucksteigernd und außerdem bronchodilatatorisch. Beides können wir hier gut gebrauchen.” Maurice sah mich verzweifelt an, ich zuckte nur mit den Achseln. Währenddessen hatte Ungut eine nicht identifizierbare Menge an Ketanest gespritzt (ich muss allerdings sagen, dass Willi zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht so aussah, als ob er noch irgendwelche Hilfe benötigen würde, außer vielleicht die von einem Stylisten, einem Ernährungsberater und einem Friseur, aber das nur mal am Rande). Ich bemerkte mit einem hämischen Grinsen, dass er wohl die Midazolamgabe zum Ketanest vergessen hatte und äußerte das in Richtung Maurice. Jetzt zuckte dieser mit den Achseln. In diesem Moment entwickelte Willi plötzlich ungeahnte Kräfte und sprang auf. “Wo kommen denn all diese Lichter her? Ist denn schon Weihnachten?” rief er verzückt. Ich sah Maurice zweifelnd an, dieser ging schon mal vorsichtig hinter der Couch in Deckung. Willi brabbelte weiter irgendwas von Weihnachten, Engeln und Dämonen und sprang etwas ungelenk im Zimmer herum. Ich zog mich langsam in Richtung Tür zurück. “Lass mich nicht allein mit diesen zwei Spinnern!” rief Maurice von hinter der Couch.
“Sorry, Maurice, aber ich möchte nicht Zeuge dieser Aktion sein!” sagte ich, während ich rückwärts aus der Tür schlich. Und zu Dr. Ungut sagte ich noch: “Weißt du, wenn man schon Ketanest gibt, dann sollte man die Dosis hoch genug wählen, so dass der Patient sich nicht mehr rührt, und man sollte IMMER Midazolam dazu geben. Nur so als Tipp.” In diesem Moment fiel Willi der Tochter der Patientin um den Hals und drückte sie aufs Sofa. Sie schrie, Willi heulte wie ein kleines Kind. Der Ungut stand noch immer paralysiert daneben. “Ungut, du Volltrottel, tu endlich was!” rief ich ihm noch zu.

Dann drehte ich mich um und ging einfach. Aus dem Augenwinkel sah ich noch, wie er eine Ampulle Succinylcholin aus dem Medikamentenkoffer holte. Ich glaube, ich will gar nicht wissen, was er damit gemacht hat.

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