Ich habe mich echt gefreut über Eure vielen Kommentare und die vielen Gedanken, die sich jeder einzelne von Euch dazu gemacht hat! Ich würde jetzt total gerne auf jeden einzelnen eingehen, aber ich fürchte, dann sitze ich morgen noch hier… Ich versichere Euch aber, dass ich mir die Zeit genommen habe, über jeden Kommentar in Ruhe nachzudenken!

Mein Lösungsansatz ist recht einfach (vielleicht bin ich auch einfach einfacher gestrickt als ihr alle ;-)): Suizidalität überprüfen (nein), Orientierung prüfen (vorhanden) und dann bleibt die Dame wo sie ist – gegen Unterschrift. Dass die Güte der Unterschrift natürlich etwas fragwürdig ist bei jemanden, der offensichtlich unter einer psychischen Störung leidet, ist dann wieder eine andere Geschichte. Aber ich habe die Dame als so orientiert eingeschätzt, dass sie die Konsequenzen für sich und ihr Handeln weitestgehend überblicken kann.
Interessant fand ich die Aussagen des Rettungspersonals unter Euch – und die bestätigen mir, was tägliche Praxis ist. Man redet solchen Leuten gut zu, aber wenn die nicht wollen, dass lässt man es auch. Ich habe schon einige psychiatrische Notfälle erlebt und noch nie die Polizei hinzugezogen. Umgekehrt schon eher – Polizei ist bereits vor Ort war und man muss dann mit deren Hilfe den unwilligen Kunden in sein Nachtquartier begleitet – aber dann muss der zuvor schon ordentlich randaliert haben (wer einmal in einem Wagen mit Kundschaft stand, die zuvor Bekanntschaft mit Pfefferspray gemacht hat, weiß, wovon ich rede. Das Zeug ist überall!) Vielleicht möchten sich die Rettungskräfte unter Euch noch mal dazu äußern, aber meine Erfahrung ist, dass das Vorgehen, die Polizei zu dem beschriebenen Fall hinzuzuziehen und dann eine Einweisung zu erzwingen, absolut unüblich ist. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass das bei der RTW-Mannschaft in diesem Fall Augen wie Untertassen hervorgerufen hätte, wenn ich eine Zwangseinweisung auch nur erwähnt hätte. Letztendlich ist es eben immer ein Abwägen und wenn das Risiko vertretbar erscheint, dann bleibt der Kunde eben zu Hause. Oder im Hotel. Oder meinetwegen auch auf einem Fischkutter  auf dem Schrottplatz.

Noch ein Wort zur Placebogabe, weil das ein paar Mal aufkam. Auch hier kann man geteilter Meinung sein. Ich persönlich halte prinzipiell viel von der Placebowirkung. Ich würde aber nie einem Patienten ein Placebo verbreichen. Ich finde es falsch. Ich möchte auch nicht mit Placebo behandelt werden und ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Patienten das wünschen würden. Ich finde es unehrlich und keine Basis für eine Arzt-Patienten-Beziehung. Ich bin in dem, was ich tue, immer aufrichtig (zumindest im Beruf ;-)), warum sollte ich in dieser Sache zu einer Unwahrheit greifen? Aber das ist sicher auch eine philosophische Frage und ich weiß, dass andere Kollegen das anders handhaben.

Mit hat dieser Fall und die Diskussionen, die sich daraus ergeben haben, viel Spaß gemacht. Ich glaube, das mache ich jetzt öfter! Ich werde mich auch bemühen, etwas schneller die Fälle abzuarbeiten, allerdings bin ich momentan mal wieder mit anderen literarischen Projekten gut beschäftigt, so dass mir gelegentlich der Zeitmangel zu schaffen macht…

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