Hätte ich doch bloß nicht aufgemacht… (Teil 2)

Blondie führte uns wortlos ins Badezimmer. Auf dem Rand der Badewanne saß Rambo, nur notdürftig mit einem größeren Handtuch bedeckt. Als er Shanti und mich sah, schrie er auf.
“Was wollt Ihr denn hier?” rief er entsetzt.
Shanti inspizierte inzwischen interessiert das Handtuch, das sich Rambo um die Hüften geschwungen hatte.
“Wir wollen gar nichts hier, aber deine liebste treue Freundin hat uns herbestellt.” Ich betonte hierbei besonders das Wort “treue”, was mir einen Schubser von Blondie einbrachte. Nun bemerkte ich auf dem Toilettendeckel ein schwarzes Wollknäuel. Unverkennbar handelte es sich hierbei um Ivan II. Ich zeigte darauf:
“Ey, Shanti, nimm doch den mit nach Goa!” schlug ich vor. “Ihr kennt Euch ja schon.”
Blondie hielt demonstrativ die Hand auf. “Hundert Euro und er gehört dir.” Shanti tippte sich mit dem Finger an die Stirn. “Du spinnst wohl!”
“Dann eben nicht.” Blondie hob Ivan II hoch und trug ihn aus dem Bad.
“Warum sind wir hier?” fragte ich Rambo. Dieser seufzte. Ich sah, dass er sich so gut es ging von Shanti und mir wegdrehte. Trotzdem konnte nicht umhin zu bemerken, dass irgendwas an seinem Handtuch komisch war.
“Er hat da ein Problem.” sagte Blondie, die gerade wieder hinter uns ins Bad getreten war und zeigte dabei auf das Handtuch. Da macht er jetzt schon seit Stunden mit rum und will nicht zum Arzt gehen.” Ich seufzte. Das konnte ja heiter werden. Hatte ich diesen Satz nicht erst neulich gehört?
“Zeigen.” sagte ich zu Rambo.
“Ich genier mich.” erwiderte der.
“Ist mir Latte.” sagte ich. “Wir haben nicht ewig Zeit.”
Blondie kicherte hinter mir. “Das trifft’s ganz gut.”
“Halt`s Maul!” rief Rambo. Etwas unsicher ließ er schließlich das Handtuch sinken. Was ich dann sah, damit hätte ich echt nicht gerechnet, und da ich ja offiziell nicht im Dienst war, konnte ich es mir nicht verkneifen, lauthals loszulachen. Shanti lachte ebenfalls. Und Blondie natürlich auch. Ich glaube, sogar Ivan II lachte im Nebenraum. Rambo hingegen sah jetzt ziemlich verärgert aus.

Was sahen wir? Konnten wir Rambo aus seiner misslichen Situation befreien? Und wird Shanti irgendeine Katze mit nach Goa nehmen? Wartet’s ab…

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Hätte ich doch bloß nicht aufgemacht… (Teil 1)

Shanti saß auf meiner Couch. Wieder mal. Diesmal allerdings hatte er einen großen Rucksack dabei. “Ich muss mal ne Weile Abschied nehmen.” erklärte er mir.
“Wieso?” fragte ich. Nicht so ganz unglücklich.
“Nun, du weißt schon, diese letzten Vorfälle… die Polizisten und die Space Cookies, der Herr, der da vom Balkon fiel… Ich denke, ich solle einfach mal für eine Weile untertauchen.”
“Meinetwegen.” sagte ich. “Wo gehst du hin?”
“Vielleicht nach Goa oder so. Da war ich schon mal. Als ich erleuchtet wurde, weißt du. Gegen einen geringen Betrag kann man da mal eine Weile unterkommen.”
Ich seufzte und goss mir noch Tee nach. “Haste das schon der Klinik erklärt?”
“Nee, ja, nein. Also, ich habe mich beurlauben lassen. Die kennen das schon.”
“Ach so.” sagte ich. Ich wusste ja gar nicht, dass mein Arbeitgeber so verständnisvoll war. Gedankenverloren streichelte Shanti Ivans Fell, was dieser sichtlich genoss. Ich hätte schwören können, ich habe ihn auch wieder humpeln gesehen.
“Kann ich Ivan mitnehmen?” fragte er.
“Nein.” sagte ich, kurz und knapp.
Shanti senkte den Kopf und kraulte Ivan den Nacken. “Schade. Ich hab ihn gern, weißt du.”
“Ich auch.” sagte ich. “Und er mag kein indisches Essen. Er ist da sehr wählerisch.”
In diesem Moment klingelte es an der Tür. Ich überlegte lange, ob ich öffnen sollte, aber ich war besorgt, dass Shanti auf falsche Gedanken kommen könnte, wenn ich nicht öffnete. Vor der Tür stand Blondie. Als sie Shanti erblickte, schrie sie auf.
“Nimmst du jetzt immer meine abgelegten Ex-Lover?” fragte sie spitz.
F… d… ins Knie, du blöde S… dachte ich. Ich sagte aber: “Blondie, was kann ich für dich tun?” und zeigte ihr dabei mein schönstes Zahnpastalächeln.
“Äh… du müsstest mal mit runterkommen und dir da was angucken.” sagte sie, jetzt ein wenig unsicherer.
“Bitte?” fragte ich.
“Ja, komm einfach. Es gibt da ein Problem, so medizinischer Natur.”
“Was geht mich das Elend anderer Leute an?” fragte ich.
“Du bist doch Ärztin.” bemerkte Blondie.
“Und auch ich habe mal ein Recht auf Freizeit.”
“Bitte.”
Ich seufzte abermals. “Na gut.”
Shanti folgte mir aus der Tür.
“Ich glaube nicht, dass du auch kommen solltest.” sagte Blondie zu Shanti.
“Oh doch.” meinte der mit einem breiten Grinsen und schob mich aus der Tür. Blondie hob resignierend die Schultern und lief vor uns die Treppe hinunter.

Ich war unglaublich begeistert. Hätte ich doch bloß die Tür nicht geöffnet! Aber nun war es zu spät… und das was dann kam… nun, Ihr werdet es ja bald erfahren…

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Auf dem Weg zur Erleuchtung (Teil 2)

Nun,  es war ja sicherlich wieder mal nur unschwer zu erraten, wer da hinter “Herr Champi” steckte. Wir hielten tatsächlich vor der “Begegnungsstätte Erleuchtung”, und ich hatte mir eine gute Erklärung einfallen zu lassen, wieso genau ich jetzt diesen Laden kannte. Mit uns zeitgleich traf der RTW ein. Tim und Marek hatten auch keine weiteren Informationen, und so öffneten wir vorsichtig die Tür. Drinnen war alles dunkel, nur das Klimbim des Glockenspiels ließ mich wissen, dass dies der richtige Ort war.
“Hallo?” rief ich vorsichtig in die Dunkelheit. Ich hörte ein Rascheln in der hinteren Hälfte des Ladens und ein paar Stimmen, die sich aufgeregt unterhielten. Dann war wieder alles ruhig. Schließlich bewegte sich ein Vorhang zur Seite und Shanti lief schnellen Schrittes auf uns zu. Freundlicherweise machte er dabei das Licht an. Er war barfuß und wieder ganz in weißen Leinen gekleidet. Um den Kopf trug er diesmal ein weißes Tuch. Er sah grandios bescheuert aus.
“Du?” fragte er ungläubig, als er mich sah. Ich drehte mich zu meinen Kollegen um.
“Jungs, darf ich vorstellen, Fritz Mayer. Fritz, das Rettungsteam.” Ich machte eine ausladende Geste in jeweils die eine und die andere Richtung.
“SHANTI!” entfuhr es Fritz Mayer sehr nachdrücklich und unspirituell.
“Shanti, whatever.” sagte ich und machte eine abwertende Handbwegung.
“Ich bin nämlich erleuchtert.” fügte er erklärend für das Rettungsteam hinzu. Jetzt sind diese Herren ja sicherlich einiges gewöhnt, dennoch guckten alle drei etwas ungläubig. Marek fing sich als erster. “Also, Fritz Shanti, was ist denn hier das Problem?”
“Nur Shanti, bitte.” Shanti klang ein wenig beleidigt. Wir übergingen diese Bemerkung und sahen ihn auffordernd an. Immerhin standen wir schon seit einigen Minuten in diesem nach Räucherstäbchen stinkenden Loch und konnten, von einigen F.-Diagnosen bei Shanti mal abgesehen, noch nichts wirklich Pathologisches erkennen.
Shanti führte die Fingerspitzen vor der Brust zusammen und holte erst einmal tief Luft. “Also… ich halte heute einen Erleuchtungskurs ab. Ihr könnt auch gerne noch mitmachen, wenn Ihr wollt.” Er sah uns erwartungsvoll an.
“Och, nee, du… lass mal…” sagte Phillip. Ich sah ihn dankbar an. Shanti bedachte ihn mit einem Blick, der eher in die Richtung “böse Verwünschungen” ging.
“Einer unser Teilnehmer… nun, sagen wir mal, er hat ein tiefes Meditationsstadium erreicht.” Shanti hob den Finger. “Das ist überhaupt kein Grund zur Besorgnis, das passiert ausgewählten Geschöpfen, wie mir selbst, öfter mal… Aber meine Gehilfinnen.. nun, sie meinen, dass man sich zusätzlich noch Hilfe aus dem Diesseits holen sollte. Auch wenn ich das für völlig übertrieben halte!”
“Der Typ sagt schon seit einer halben Stunde nichts mehr.” eine Frau war aus dem Nebenraum getreten und kam auf uns zu. Dabei legte sie einen Arm halb um Shantis Schulter. Sie trug einen langen bunten Rock und ein bauchfreies Oberteil, dazu eine undefinierbare Anzahl an Ketten mit Glasperlen. Im Haar trug sie ein buntes Band. Sie war wesentlich hübscher, als ich es Shanti zugetraut hätte. “Vielleicht hätte er das Zeug nicht nehmen sollen.”
“Zeug?” Jetzt war ich alarmiert. “Welches Zeug?” Shanti fühlte sich jetzt sichtlich unwohl und schob den Arm von der jungen Frau von seiner Schulter.
“Ich weiß nicht, was, er hat das selbst mitgebracht.”
“Sicher doch.” sagte Marek spöttisch.
“Ich bin übrigens Indira.” Sie ging zu jedem der drei Jungs und gab ihnen einen Kuss auf die rechte und auf die linke Wange. Mit tätschelte sie lediglich den Kopf. Verblüfft und regungslos standen wir so mit unserer kompletten Notfallausrüstung in diesem kleinen Raum und starrten Indira an. “Jetzt stresst Euch mal nicht so, er atmet ja noch, das habe ich extra überprüft. Obwohl der jetzt nicht so mein Typ ist, aber von solch irdischen Gelüsten haben wir uns eh verabschiedet, nicht wahr, Shanti?”
“Ich praktiziere Tantra, genauer gesagt Maithuna. Deshalb bin ich ja auch erleuchtet.” erklärte Shanti feierlich.
“Was ist das?” fragte Tim.
“Das willst du gar nicht wissen.” sagte ich. “Aber, einfach erklärt, er ist sozusagen impotent.”
“Das ist ja wohl die HÖHE!” rief Shanti entgeistert. “Du hast überhaupt keine Ahnung. Ich bin erleuchtet, ich muss mich nicht in solch niederen physischen Abgründen herumtreiben.”
“Ey, Indira, also, ich praktiziere kein Tantra, oder Maidingsda.” sagte Tim mit einem breitem Grinsen. Phillip schlug sich mit der Hand an den Kopf. Es blieb kein Zweifel, wer in dieser Runde der Feingeist war und wer der Prolet. Dann bewegte sich erneut der Vorhang und eine weitere weibliche Gestalt näherte sich uns. Sie war ähnlich gekleidet wie Indira. Auch sie legte einen Arm um Shantis Schulter. Bei genauerem Hinsehen jedoch traute ich meinen Augen kaum. Es war – Blondie.
“Na, Blondie, machste jetzt auch Tantra?” fragte Tim, noch immer breit grinsend. Ich war zu perplex um etwas zu sagen.
“Anna!” rief sie aus, als sie mich sah. “Hast du noch immer keinen vernünftigen Job gefunden?” fragte sie herablassend.
“Wenigstens praktiziere ich kein Maithuna.” gab ich giftig zurück. “Und ich weiß, wie man es schreibt. Im Gegensatz zu dir, nehme ich an?” Sie verzog spöttisch die Mundwinkel.
“Wo ist eigentlich Paul?” fragte sie, nachdem sie sich suchend umgesehen hatte.
“Ich bin da!” Tim hob die Hand. Blondie lächelte ihn dankbar an.
“Paul, wer ist Paul?” fragte Shanti irritiert.
“ES REICHT JETZT!” rief ich, langsam wütend werden. “Wo ist der Patient? Ich hab langsam genug von dieser Räucherstäbchen-New-Age-Tantra-Geschichte.” Indira zuckte mit den Achseln.
“Da hinten ist er.” Sie ging voran und schob den Vorhang zur Seite. Wir folgten im Gänsemarsch. Ich betrat zuerst den Raum. Etwa sieben Personen saßen im Kreis um eine Klangschale und lächelten verzückt. Sie alle trugen Leinenklamotten. Eine Person lag am Boden, Arme und Beine ausgestreckt, offensichtlich noch lebend, aber den Blick starr an die Decke gerichtet.

Und jetzt ratet mal, wer das war, und was er wohl intus hatte??? Mehr dazu demnächst.

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Abspann

Nach der Aufregung der letzten Tage brauchte ich dringend Ruhe und Erholung. Zuallererst musste ich stundenlang Yoga machen, um mein aufgekratztes Nervensystem zu beruhigen (ich empfehle Kopfstand). Dann verbrachte ich weitere Stunden im Bio-Supermarkt und kaufte Großpackungen an Entspannungstee und seifenfreiem Entspannungsschaumbad, für das auch garantiert keine Baumkängurus und so gelitten haben. So bepackt kam ich schließlich nach Hause und machte mich an einen Salat, der so gesund war, dass mir davon schlecht wurde (Kichererbsen, Mangold, Ruccola, Tofu, Mais, Mozzarella, nur zur Info). Ich hatte mich gerade in meine Juteklamotten geworfen und teilte mir mit Ivan eine Wärmflasche, als es an der Tür klingelt. Wahrscheinlich hätte ich schon misstrauisch werden sollen, als Ivan so panisch unter dem Sofa verschwand, aber meine Neugier siegte mal wieder, und so öffnete ich die Tür. Davor stand, natürlich, Blondie.
“Blondie. Welche Überraschung.” sagte ich mit wenig Enthusiasmus.
“Ja, äh… ich wollte mich nur mal bedanken und so…”
“Bedanken?” Ich traute meinen Ohren kaum.
“Ja, dass Ihr den Hans-Peter gerettet habt.”
“Hans-Peter?”
Sie wurde rot. “Herr Schmidt… du weißt schon… neulich..”
“Ah.” Wie konnte ich DAS vergessen. “Wie geht es denn dem Hans-Peter?” fragte ich leidlich interessiert.
“Also… ich weiß nicht… ich habe ihn ein Mal besucht, nachdem er in dem Herzdingsda war.
“Wird auch Herzkatheter genannt.” bemerkte ich trocken. Aber ich helfe doch gerne Blondies Bildung auf die Sprünge.
“Nun…” sie zögerte. “Also, der Hans-Peter meinte, es sei vielleicht besser, wenn wir uns eine Weile nicht mehr sehen. So etwa 50 Jahre, hat er gesagt.” Sie blickte an die Decke des Hausflurs und ich sah, wie sie rechnete. “Da bin ich dann ja schon ÜBER 70!” rief sie nach einer erschreckend langen Zeit aus. “Jedenfalls meinte er, dann hätte er vielleicht vergessen, dass ich versucht habe, ihn umzubringen… weiß jetzt auch nicht, was er damit gemeint hat. Er lebt ja noch!”
“Ein Versuch war’s wert.” entgegnete ich freundlich lächelnd. Aber Blondie hatte keinen Sinn für solch feine Ironie.
“Er hatte sein Testament eh noch nicht für mich geändert, also hätte es gar keinen Sinn gemacht, ihn umzubringen! Das habe ich ihm auch versucht zu erklären, aber er hat es, glaube ich, nicht verstanden.”
Ich bekam einen Hustenanfall. Ich hoffe echt, dass bei Rambo nichts zu holen ist. Blondie fuhr unbeirrt fort: “Und dann wollte ich dich noch fragen, ob du vielleicht die Telefonnummer von dem Typen hast, der sich so nett um mich gekümmert hat… Wie hieß denn der?”
“Erzd… vergiss es!” rief ich.
Sie überlegte kurz. “Dann vielleicht von dem anderen? Der war auch ganz niedlich. Ich glaube, du hast ihn Paul genannt.” Ich hutstete erneut. Sehr laut. “Verdient man eigentlich gut? So als Rettungsmensch?”
“Sicherlich kein Vergleich mit Hans-Peter.” sagte ich.
“Ja… der war ja auch schon etwas älter… ich hab’s eigentlich nicht so mit älteren Männern, aber seitdem es diese blauen Pillen gibt, bin ich da nicht mehr ganz so streng.”
Das war eindeutig zu viel Information für meinen Geschmack.
“Äh, Blondie, mein Mangold-Kichererbsen-Salat wird kalt und Ivan braucht eine neue Wärmflasche. War’s das?”
Blondie setzte ihren besten Dackelblick auf und vergaß dabei wohl, dass ich als Frau dagegen weitestgehend immun bin. “Eine Sache noch… ich muss ein paar Tage weg, und da habe ich mich gefragt, ob du vielleicht so lange auf Chi…” weiter kam sie nicht, denn ich knallte ihr einfach die Tür vor der Nase zu.

Ich habe dann nochmals drei Stunden lang Yoga gemacht.

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Öfter mal was Neues: Cardia 1 (Teil 2)

Ok, es war vielleicht nicht so schwer zu erraten, wer da in der Ecke saß… Es war tatsächlich Blondie. Als sie mich sah, hörte sie schlagartig auf zu heulen.
“Blondie!” rief ich überrascht.
“Ihr kennt Euch?” fragte Phillip.
“Natürlich, sie hat mir meine Katze geklaut!” Das Rettungsteam sog hörbar die Luft ein und sah Blondie entsetzt an.
Jetzt heulte Blondie wieder. “Hab ich gar nicht!”
“Hast du wohl!”
“Du hast ihm die Pfoten gebrochen!” Jetzt sogen wieder alle hörbar die Luft ein und starrte mich an.
“Ich habe ihm überhaupt nichts gebrochen!” rief ich echauffiert. “Dein blöder Freund hat vom Balkon aus mit MEINEM Kater nach MIR geworfen! Dabei hat er sich die Pfoten gebrochen!”
Jetzt sog Herr Schmidt, den ich, nur mal so nebenbei bemerkt, auf Ende 50 schätzte, hörbar die Luft ein. “Dein WAS?” schrie er in Blondies Richtung. Das Ganze fing langsam an, mir Spaß zu machen.
“Und dann hat sie auch noch Lösegeld von mit erpresst!” setzte ich noch einen drauf. “Und überhaupt, was sagt eigentlich DEIN FREUND zu diesem Auftritt hier? Hast du mir nicht so vor ein paar Tagen noch was von großer Liebe und so erzählt?” Ich war voll in meinem Element. Blondie funkelte mich böse an. Wenn Blicke töten könnten, hätte ich an dieser Stelle mindestens einen Herzinfarkt erleiden müssen. Aber das Theaterstück ging auch ohne mein zutun weiter.
“Ich dachte, du lebst bei deiner Mutter?” fragte Herr Schmidt ungläubig.
“Nur, wenn ihre Mutter professionelles Bodybuilding macht und verdammt viele Haare im Gesicht hat!” mischte ich mich wieder ein. Rache ist süß.
“Äh, Anna, dafür sind wir aber nicht hier…” Phillip stupste mich von hinten an. Ich ignorierte ihn.
“Und was ist das da eigentlich?” Ich zeigte auf ein kleine schwarzes Fellknäuel, das gerade vor mir über den Boden lief, und verdammte Ähnlichkeit mit Ivan hatte.
“Das Vieh hat sie hier angeschleppt, weil ihre Mutter angeblich eine Katzenallergie hat!” rief Herr Schmidt.
“Ihre Mutter heißt Rambo und hat wahrscheinlich gegen überhaupt gar nichts Allergien, außer vielleicht Typen wie dich!” schrie ich Herrn Schmidt an. “Das Teil übernehme ich dann nicht, das sag ich dir jetzt schon!” schrie ich jetzt an Blondie gewandt. Blondie heulte, die Katze floh unter die Couch und Herr Schmidt griff sich an die Brust.
“Mein Herz!” rief er aus.
“Simulier nicht!” schrie ich ihn an, allerdings bemerkte ich etwas kalten Schweiß auf seiner Stirn, und jetzt sah er auch ein wenig blass aus…
“Ich simulier nicht, mein Herz!” Er sank auf den Boden und lehnte sich mit dem Rücken gegen einen Stuhl…

Sorry, ich muss jetzt “auf Arbeit”, daher kann ich leider nicht erzählen, wie es weiter ging. Aber lasst Euch gesagt sein, es ging leider noch sehr wild her…

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Idiopathische pseudofeline supracorticale Haarausfallitis

Ich bin gerade krank. So krank, dass ich das Bett hüten muss. Daher war ich leider auch zu Hause, als es vorhin an der Tür klingelte. Ich hätte nicht aufmachen sollen. Echt nicht. Aber ich bin ein so neugieriger Mensch, dass ich einfach die Tür öffnen musste, als es klingelte. Davor standen Rambo und Blondie. Auf Blondies Arm hing ein noch etwas mitgenommen wirkender Ivan. Er war schon nicht mehr ganz so kahl, ein paar schwarze Stoppeln bedeckten sein Haupt. Als sie mich sah, fing Blondie an zu heulen. Rambo riss ihr Ivan aus der Hand und hielt ihn mir hin: “Kannst Du uns mal erklären was DAS…” hier machte er der Dramatik zuliebe eine kurze Pause. “..was DAS hier soll?” dabei zeigte er nachdrücklich auf Ivans Kopf.
Ich überlegte kurz und ging eine Optionen durch. Dabei dachte ich auch an Hermiones Vorschlag mit der Anti-Falten-Maske. Ich verwarf das aber, da Rambo nicht den Eindruck machte, als hätte er für solche Ideen Verständnis.
“Er leidet an… idiopathischer pseudofeliner supracorticaler  Haarausfallitis.” erklärte ich den beiden schließlich.
“Bitte WAS?” fragte Rambo. Blondie heulte weiter.
“Das ist eine Katzenkrankheit.”  dozierte ich. “Sie befällt vor allem Hauskatzen. Zu meinem… äh… Service gehörte es am Wochenende auch, Ivan… Chichi einmal gründlich zu untersuchen. Dabei stellte ich fest, dass er an idiopathischer pseudofeliner supracoticaler Haarausfallitis leidet. Ich bin ja schließlich Ärztin, wisst Ihr…”
“Für Katzen?” fragte Rambo ungläubig.
“Nicht direkt… aber man lernt sowas auch… im Studium und so. Jedenfalls habe ich bei Chichi eindeutige Anzeichen dieser höchst gefährlichen Erkrankung festgestellt, und da musste ich handeln. Sie kann nämlich auch auf den Menschen übergehen. Seht Ihr…” ich hüstelte ein paar Mal.. “Ich bin auch schon ganz krank!”
“Sollen wir dir dann auch den Kopf rasieren?” fragte Rambo  spöttisch.
“Nein!” entgegnete ich schnell. “Das hilft nur bei Katzen… beim Menschen ruft die  IPSH, wie wir Fachleute das nennen, eher grippeähnliche Symptome hervor.” Um dies zu unterstreichen hüstelte ich noch ein paar Mal.
“Du hast Chichi gerettet!” Blondie fiel mir jetzt, noch immer heulend, um den Hals. Rambo schien noch nicht ganz überzeugt. “Das erklärt auch, warum ich in letzter Zeit so oft krank war!” sagte sie zu Rambo.
“Du warst so oft krank, weil du gerne nachts halbnackt durch die Stadt ziehst!” gab er ungerührt zurück. Blondie wirkte jetzt etwas beleidigt. Schließlich ließ sie mich los. “Was sollen wir denn weiter mit ihm machen? Nochmal rasieren?”
“Äh… nein… einmal rasieren reicht in der Regel… Ihr solltet nur gucken, ob so, äh, Beulen am Nacken auftreten… das sind geschwollene Lymphknoten… ein deutliches Anzeichen für die pseudofeline, äh, dingsda. Dann müsstet ihr ihn nochmals… rasieren… diesmal aber am ganzen Körper!” fügte ich noch mit einem bösen Seitenblick auf Ivan hinzu. Dieser bedachte mich mit einem beleidigten Fauchen.
“Dürfen wir ihn dir wieder vorbeibringen? So, ein Mal in der Woche, damit du ihn untersuchen kannst?” fragte Blondie mit wachsender Begeisterung in der Stimme.
“Klar.” sagte ich mit ähnlichem Enthusiasmus. Rambo packte Blondie am Arm und zog sie und Ivan in Richtung Treppe. “Komm jetzt. ” herrschte er sie an.
“Danke nochmal!” rief Blondie mir zu.
“Keine Ursache!” schrie ich hinterher.

Scheint so, als würde mich Ivan noch eine Weile beschäftigen.

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Wochenendplanung

Es klingelte an der Tür. Ich öffnete. Vor mir stand die Freundin von meinem Nachbarn, dem Nachbarn, der neulich Bekanntschaft mit mir auf seinem Balkon gemacht hatte. Auf dem Arm der Freundin entdeckte ich – das Katzenvieh. Unwillkürlich griff ich an die noch immer schmerzende Narbe an meinem Nacken.
“Ja?” fragte ich etwas irritiert. Die Katze beäugte mich kritisch und fauchte. Sollte vielleicht erwähnen, dass ich mal wieder meine modischen Juteklamotten trug. Ich sah wohl aus wie ein Kratzbaum.
“Ja, hallo, wir wohnen unter dir…” sagte Blondie. So taufte ich sie aufgrund unübersehbarer Tatsachen. Hätte sie auch “unschlagbare Argumente aus Plastik” nennen können, aber ich will mal nicht so sein. “Ja, also, wir fahren übers Wochenende weg, und, naja, sonst passen immer meine Eltern auf Chichi auf… (Chichi!!!)… aber die sind diese Woche nicht da…” Da ich bereits erahnen konnte, wohin die Reise gehen würde, begann ich leicht zu hyperventilieren. Chichi fauchte wieder. Ich taufte Chichi insgeheim “Ivan”. Gefiel mir besser. “Also… ich wollte fragen… könntest du vielleicht übers Wochenende auf Chichi aufpassen? Ich würde dir den Schlüssel geben. Du müsstest nur am Samstag mal füttern und dich ein bisschen kümmern… streicheln und so… Sonntag kommen wir ja schon wieder, da würde dann Futter hinstellen reichen. Könntest du das machen?” Blondie sah mich gekonntem Augenaufschlag an.
“Äh… was sagt denn da dein Freund dazu?”
“Ach der…” sie machte eine wegwerfende Handbewegung. “Irgendwie ist der komisch. Er meinte, du hättest mal sturzbetrunken auf unserem Balkon gestanden und mit Chichi nach ihm geworfen. Das habe ich ihm natürlich nicht geglaubt! Wahrscheinlich war er derjenige, der betrunken war.” sie lachte kurz auf. “Als würdest du mit Chichi werfen! Also wirklich…”
“Nee, wie kommt er denn auf sowas… außerdem war das ein Versehen, er war derjenige, der absichtlich nach dem Vieh gegriffen hat.” murmelte ich.
“Was???”
“Ach nichts.” sagte ich etwas zu schnell. “Mag Ivan… ich meine Chichi, Aperol?”
“Häh?” Ivan miaute kurz auf.
“Gib mir einfach die Schlüssel.” ich streckte schnell die Hand aus. Etwas irritiert gab sie mir die Schlüssel. Ivan fauchte erneut.
“Samstag, ja?” fragte ich. Das kriegen wir hin! Bis dann. Viel Spaß!” Ich schloss schnell die Tür und lehnte mich mit einer schnellen Drehung dagegen, falls es sich Chichi alias Ivan anders überlegen und Blondie vom Arm springen sollte, um noch mal die Qualität meines Nackens zu testen.  Ich hörte Blondie geräuschvoll die Treppe runtergehen, während sie laut auf das Vieh einredete. Mit einem diabolischen Grinsen ging ich wieder zu meinem Schreibtisch und schmiedete schon mal Pläne für das Wochenende…

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