Sorry, dass hier im Moment nicht so viel steht… meine Freizeit geht gerade fürs Lernen für die Facharztprüfung drauf, aber ich werde mir Mühe geben, wieder etwas regelmäßiger zu posten…

“Also…” Willi machte eine wichtige Miene. Wir erinnern uns, ich hatte den Patienten gerade mit Willi besprechen wollen, als ich zum Rea -Alarm hinfortgerufen wurde. Dass Willi jetzt mal wieder etwas eigenmächtig loslegte, wunderte mich zwar nicht, aber es konnte für meinen Ruf nicht gut sein, dass Willi sich jetzt hier auf eine Kosten profilieren wollte.
“Herr Weber ist…” Willi raschelte mit seinen Notizen. “Ah ja, hier steht’s… Entschuldigung, ich habe so viele Patienten, da kann man schon mal durcheinander kommen!” Willi lachte laut. Der Gashahn runzelte die Stirn, ich seufzte nur. Bestimmt würde ich zur Wiedergutmachung einen Apfelkuchen backen müssen.
“Also… der Herr Weber ist eine 84jährige Patientin mit Zustand nach Whipple-OP vor drei Tagen…”
“Willi…”, versuchte ich zu unterbrechen. Herr Weber guckte ein wenig besorgt. Willi ließ sich nicht beirren. “Sie hat eine schwere Sepsis und ist intubiert und beatmet.”, las Willi von seinen Notizen ab. Ich sah, wie sich zwei meiner Kollegen abwechselnd ein Schreibbrett vor den Kopf schlugen.
“Herr Willi!”, rief der Gashahn schließlich streng, wobei er das “Herr” betonte und das “Willi” in unendliche Länge zog. Willi schreckte auf. “Herr Willi, da ich jetzt Ihre volle Aufmerksamkeit habe, würde ich Sie gerne darauf hinweisen, dass der Herr Weber keine Frau ist und auch weder intubiert und beatmet. Auch hatte er keine Whipple-OP sondern eine rechtsseitige Hemicolectomie. Fällt Ihnen dazu irgendetwas ein?” Die Augen des Gashahns traten gefährlich aus den Höhlen.
“Äh…” Willi nestelte mit seinen Unterlagen. “Herr Weber kann verlegt werden.”, brachte er schließlich mit hochrotem Kopf hervor.
Der Gashahn schnaubte wütend etwas, das glücklicherweise nicht zu verstehen war.
“Doktor Anna, hätten Sie vielleicht die Güte, uns etwas über Herrn Weber zu erzählen?”, fuhr er mich an.
“Herr Weber ist noch unser Gast, da wir die Katecholamine trotz adäquater Volumenzufuhr bislang noch nicht absetzen konnten. Ich denke, das wird uns aber im Laufe des Nachmittags gelingen. Respiratorisch ist er stabil bei guter Mitarbeit in der Atemtherapie, die Nieren funktionieren ohne Unterstützung. Wenn die Katecholamintherapie beendet ist, spricht morgen nichts gegen eine Verlegung auf die Wache.” ratterte ich monoton hinunter.
“Danke!” schnaubte der Gashahn. Damit drehte er sich um ging mit großen Schritten zum nächsten Bett. “Und sie schulden mir einen Apfelkuchen!”, rief er laut über seine Schulter zurück. Meine Kollegen kicherten. Ich nahm das Schreibbrett und zog es Willi von hinten über den Kopf.
“Aua!” rief der.
“Und du schuldest mir noch viel mehr!”, presste ich zwischen den Zähnen hervor.
“Aber ich hab doch…”
“Nichts hast du. Versagt hast du. Lächerlich gemacht hast du mich.”
Willi sah bedröppelt zu Boden. Nun tat er mir schon fast wieder leid. “Willi, hättest du nicht irgendwas anderes machen können mit deinem Abitur? Musste es Medizin sein?”
“Kann ich es morgen noch einmal versuchen?”, fragte er mich mit Dackelblick. Ich hielt einen Moment inne und konnte dann nicht anders.
“Meinetwegen, Willi. Aber den Apfelkuchen backst du! Und back am besten gleich noch einen zweiten. Prophylaktisch!”
Willi strahlte wie ein Honigkuchenpferd. “Ich kann ganz tollen Apfelkuchen backen!”, rief er.
Ich sagte lieber nichts dazu.

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