“Mit dir fahre ich nie wieder.”, entfuhr es Elias entrüstet nach unserem letzten Einsatz. “Nie wieder, hörst du? Es ist doch immer das Gleiche, kaum sitzt du im Auto, fahren wir von einer Katastrophe zur nächsten!” Ich sah leicht bedröppelt aus und wischte mir den Staub von meiner Hose und aus meinen Haaren.
“Du hast da was…”, sagte ich zu Elias und zog ihm einen Strohhalm aus den Locken. Er schrie entsetzt auf und lief, ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen, in den Duschraum.

Was war geschehen? Ein schöner lauer Sommertag in der Provinz, gerade hatten wir uns beim Dorfdöner was zu essen geholt (vegetarisches Irgendwas in meinem Fall und nicht ganz so vegetarisch für Elias) und wollten uns zur Nahrungsaufnahme auf die Reste der malerischen Stadtmauer setzen, als der Funk die Mittagsruhe störte.
“So ein Mist.”, schimpfte Elias und legte das tote Tier wieder in die Pappschachtel. Wir rannten zum Auto und wurden sogleich von der Leitstelle mit: “Leblose Person auf hinterletztem Bauernhof, jetzt mal ein bisschen zackig, Essen könnt Ihr auch später.”, empfangen.
“Vielleicht ist es ja nur Oma Müller, die bei der Hitze kollabiert ist und jetzt schon wieder ganz fröhlich auf ihrer Veranda sitzt…”, versuchte ich, Elias zu trösten. Er grummelte nur irgendwas unverständliches. Die Anfahrt zog sich hin, der Navi war schon längst ausgestiegen. Glücklicherweise war Elias ortskundig.
“Hier willste aber auch nicht  tot überm Zaun hängen…”, bemerkte ich beim Anblick der schier endlosen Weite und den vereinzelten Kühen am Wegesrand.
“Sei bloß still. Das letzt Mal, als du so was gesagt hast, haben wir drei Stunden lang reanimiert! Zwei davon alleine, ohne RTW, wenn ich mich recht erinnere…”
“Ah, die Geschichte…” Ein leichter Schauer lief mir über den Rücken. Ich zog es vor, den Rest der Fahrt zu schweigen.
Endlich kamen wir an dem Bauernhaus an. Die Südseite war eingerüstet. Ein wildgewordener Hund begrüßte uns.
“Töle weg!” japste Elias aus dem Fenster, als endlich eine junge Dame, wohl die Hausherrin, um die Ecke bog. Sie griff den Hund am Halsband und zeigte dann auf das Baugerüst. “Da! So tun Sie doch irgendwas!”
Auf dem Gerüst sah man jemanden liegen, das heißt, man sah eigentlich nur einen Arm, der auf Höhe des zweiten Stocks vom Baugerüst hing und verdächtig zuckte. In diesem Moment hörten wir die Sirene des RTWs hinter aus, wenigstens waren wir nicht mehr ganz allein, denn der Fall würde sich sicher nicht in fünf Minuten lösen lassen, wie ich boshaft in Hinblick auf Elias’ totes Tier auf der Rückbank dachte…

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